Die hab ich gern! Nein, nicht die Schokoriegel vor der Kasse, ich meine so „im übertragenen Sinn“, verstehst Du? Das „die“ am Anfang so ein bisschen in die Länge gezogen, mit einem Unterton der vergeblichen Hoffnung, dass diese Sorte von Mensch sich bessere Manieren angewöhnte. Naja, so wie eben gerade der da vorne an der Kasse. Der Typ, der da so in Zeitlupe seine Münzen einzeln aus dem Geldbeutel herausklaubt. Ja, sieht denn der nicht die Schlange, die sich hinter ihm bereits gebildet hat? Ja, was glaubt denn der! Als hätt‘ ich nichts besseres zu tun, als hier in der Schlange zu stehen? Ich könnt‘ mit meinen Einkäufen schon dreimal nach Hause und wieder zurück sein! Ich kenn‘ den doch schon. Der schluckt auch ganz ordentlich. Kommt Dir am hellichten Tag schwankend und tollpatschig entgegen. Oft schon in der Früh‘ am Vormittag betrunken.
STOPP! CUT! SZENENSCHNITT!
Was ist hier eigentlich los, was wird hier gespielt?
Du hast es längst gemerkt. Die Szene handelt von Stigmatisierung. Ein Fehlverhalten, dem in vielen Fällen Unwissenheit, manchmal aber auch unbelehrbare Ignoranz und Diskriminierung zu Grunde liegt. Was hier geschildert wird, sind Symptome von Menschen mit Parkinson. Parkinson ist eine unheilbare neurologische Erkrankung, bei der den Erkrankten ein unverzichtbarer Botenstoff mit Namen Dopamin verloren geht. Fehlt unserem Körper dieses Dopamin, dann ist unsere Motorik, unsere Beweglichkeit im gesamten Körper stark eingeschränkt (mit Bradykinese bezeichnet das die Neurologie), unter Umständen bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit (Akinese). Trifft Dich diese Akinese unter Umständen auch mal beim Überqueren der Straße mitten auf der Fahrbahn, dann stehst Du wie festgeklebt und kommst nicht mehr vom Fleck. So eine Situation ist quasi der GAU im Straßenverkehr. Der für den Betroffenen unvermeidbare Stress verschlimmert die Situation noch, da er die Unbeweglichkeit noch verstärkt. Fehlt nur noch, dass jemand ein Hupkonzert anstimmt. Dann ist die Katastrofe perfekt.
13. März 2026, A. Schairer